Grenzen Los Erziehen

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Erfolgreiche Jugendhilfe in Europa
von Heike Lorenz und Michael Brendt

Herausgegeben vom Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. (be)
und von der Bundesarbeitsgemeinschaft Individualpädagogik e.V. (AIM)

Erziehungshilfen in Europa über Grenzen hinweg – wie kann das gelingen? Die heterogene Rechtslage sowie die kulturellen Verschiedenheiten in Europa erfordern ein hohes Maß an gelingender Kooperation, um diese Hilfen erfolgreich zu steuern und durchzuführen. Ziel der vorliegenden Publikation ist es, eine aktuelle Bestandsaufnahme zum Arbeitsfeld individueller Hilfen zur Verfügung zu stellen.

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Artikelnummer: 978-3-96557-097-9 Kategorien: , ,

Beschreibung

256 Seit­en, Softcover
For­mat DIN A5
24,80 €
ISBN 978-3-96557-097-9

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Ausführung

eBook, PDF-Download, Printausgabe, Mängelexemplar

Klappentext

Erziehung­shil­fen in Europa über Gren­zen hin­weg – wie kann das gelin­gen? Das über­wiegend in Deutsch­land entwick­elte Arbeits­feld gren­züber­schre­i­t­en­der indi­vidu­eller Hil­fen hat sich in den ver­gan­genen 30 Jahren als ein facetten- und chan­cen­re­ich­er Ansatz etabliert.

Die het­ero­gene Recht­slage sowie die kul­turellen Ver­schieden­heit­en im her­rlich bun­ten Europa erfordern allerd­ings ein hohes Maß an gelin­gen­der Koop­er­a­tion, um diese Hil­fen erfol­gre­ich zu steuern und durchzuführen.
Ziel der vor­liegen­den Pub­lika­tion ist es, eine aktuelle Bestand­sauf­nahme zum Arbeits­feld zur Ver­fü­gung zu stellen. Ange­sprochen und ein­ge­laden wer­den sollen vor allem europäis­che Akteure in der Absicht, die zwis­chen­zeitlich mitunter sehr fest­ge­fahre­nen Dialoge neu zu beleben.
Die Pub­lika­tion wird von den bei­den deutschen Dach- und Fachver­bän­den Bun­desver­band Indi­vid­ual- und Erleb­nis­päd­a­gogik e.V. (be) und Bun­de­sar­beits­ge­mein­schaft Indi­vid­u­alpäd­a­gogik e.V. (AIM) herausgegeben.

Blick ins Buch

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Rezension

Alex Fer­stl:
Ein längst über­fäl­liges Buch zu ein­er zu lange ver­nach­läs­sigten Diskussion!

Walde­mar Vanagas:
Kaum eine Debat­te in den Hil­fen zur Erziehung wird so stark ins Feld der Unsag­barkeit­en ver­schoben wie jene um die indi­vid­u­alpäd­a­gogis­chen Aus­lands­maß­nah­men. In der Tra­di­tion erleb­nis­päd­a­gogis­ch­er Ansätze und Arbeitsweisen wurzel­nd, zeigt sich die Indi­vid­u­alpäd­a­gogik als soziale Hil­fs­form ins­beson­dere für Kinder und Jugendliche, die durch die Fam­i­lie, weit­ere Bezugsper­so­n­en und insti­tu­tion­al­isierte Set­tings nicht oder nicht mehr erre­icht wer­den. Wo andere Hil­fs­for­men an ihre Gren­zen stoßen, find­et die Indi­vid­u­alpäd­a­gogik Ansätze und zeigt in 1:1 oder 1:2 Betreu­ungs­set­tings, dass es Möglichkeit­en gibt Sys­teme zu erschaf­fen, die nicht gesprengt wer­den. Statt stig­ma­tisierend von sys­tem­spren­gen­den Kindern und Jugendlichen zu sprechen, wom­it der Fokus auf den nicht-greif­baren Zögling gelegt wird, beweist Indi­vid­u­alpäd­a­gogik, dass die Sys­teme selb­st im Schlaglicht ste­hen soll­ten und hin­sichtlich ihrer Leb­barkeit hin­ter­fragt wer­den müssten.
Heike Lorenz und Michael Brendt ver­sam­meln in ihrem – durch die bei­den Fachver­bände AIM Bun­de­sar­beits­ge­mein­schaft Indi­vid­u­alpäd­a­gogik e. V. und Bun­desver­band Indi­vid­ual- und Erleb­nis­päd­a­gogik e. V. – her­aus­gegebe­nen Sam­mel­band »Gren­zen Los Erziehen. Erfol­gre­iche Jugend­hil­fe in Europa« eine diverse und inter­diszi­plinäre Autor*innengruppe. Der Sam­mel­band umfasst eine umfan­gre­iche Beschrei­bung sowie Analy­sen aktueller Rah­menbe­din­gun­gen indi­vid­u­alpäd­a­gogis­ch­er Maß­nah­men in grenzüberschreitenden Kon­tex­ten, wodurch sie einen offe­nen und bre­it­en Diskurs initiieren.
Die Veröf­fentlichung gliedert sich in drei Kapi­tel. Das erste Kapi­tel »„Das wahre Leben“ – Prax­is in der Indi­vid­u­alpäd­a­gogik« eröffnet die Autor*innengruppe mit Erfahrungs­bericht­en, wom­it der sub­jek­tive sta­tus quo aller an indi­vid­u­alpäd­a­gogis­chen Aus­lands­maß­nah­men beteiligten Akteure ermit­telt wird. Beson­ders her­vorzuheben sind die Berichte der Kinder und Jugendlichen, die an indi­vid­u­alpäd­a­gogis­chen Aus­lands­maß­nah­men in der Ver­gan­gen­heit teil­nah­men oder aktuell teil­nehmen sowie die Berichte der Eltern, Mitar­bei­t­en­den der Pro­jek­t­stellen und Jugen­damtsmi­tar­bei­t­ende, in welchen diese von ihren Erfahrun­gen, Äng­sten und Hoff­nun­gen während und nach indi­vid­u­alpäd­a­gogis­chen Aus­lands­maß­nah­men bericht­en. Vor allem die Erfahrungs­berichte der Kinder und Jugendlichen offen­baren eine Diver­genz aus per­sön­lichem Wider­stand und Vul­ner­a­bil­ität. In Summe zeigt der Sam­mel­band, dass sich eine adäquat unterstützende Erziehung dieser Ziel­gruppe nur unter indi­vid­u­alpäd­a­gogis­chen Rah­menbe­din­gun­gen in Aus­lands­set­tings ermöglichen lässt.
Das zweite Kapi­tel “Wie entste­ht gute Qual­ität?“ Rah­menbe­din­gun­gen für die Arbeit im Aus­land« erweit­ert die Erfahrungs­berichte um ein the­o­retis­ches Fun­da­ment und disku­tiert Pro­fes­sion­san­sätze, aktuelle insti­tu­tionelle Rah­menbe­din­gun­gen wie das Schen­gener Abkom­men, die UN-Kinder­recht­skon­ven­tion sowie Leitlin­ien für alter­na­tive For­men der Betreu­ung und erläutert, wie gelin­gende Koop­er­a­tions­beziehun­gen aller involviert­er Akteure ausse­hen kön­nen. Dies geschieht nicht ohne die Forderun­gen nach ein­er ide­al­typ­is­chen Umset­zung und Utopie ein­er par­itätisch-inter­na­tionalen Jugend­hil­fe, die nicht weniger als die Erziehung des Mün­dels zu einem*einer aufgek­lärten demokratis­chen Weltbürger*in mit gesellschaftlichem Teil­habe­streben zum Ziel set­zt. Aushand­lung­sprozesse und Frei­heit­ser­leb­nisse sollen nicht nur priv­i­legierten Kindern und Jugendlichen in Form von Aus­land­saufen­thal­ten zuge­s­tanden wer­den, son­dern in gle­ichem Maße zur Entstig­ma­tisierung sozial Benachteiligter führen, die beson­der­er insti­tu­tioneller Unter­stützung bedürfen.
Der Sam­mel­band wird abgeschlossen durch das dritte Kapi­tel »“Europäis­ch­er Brück­en­bau“ – Über Diskrepanzen zwis­chen den nationalen Rechtssys­te­men und Möglichkeit­en ihrer Über­win­dung«, das mit dem »Rechtsgutacht­en zum Kon­sul­ta­tionsver­fahren bei gren­züber­schre­i­t­en­der Unter­bringung nach der VERORDNUNG (EU) 2019/1111 DES RATES vom 25. Juni 2019« von Rein­hard Wies­ner das Herzstück und die Ini­tialzün­dung des Werks mit sein­er Rah­mung bildet.
Kri­tisieren lässt sich dieser Sam­mel­band auf­grund der Mixed-Meth­ods-Herange­hensweise, wodurch sich zeitweise ein stark­er Hang zur Deskrip­tiv­ität offen­bart. So wer­den teils strit­tige The­sen einge­bracht und nicht in vollem Umfang bear­beit­et, weshalb sie ihren Impuls nicht nutzen und so schlicht in der Fülle unterge­hen. Darin lässt sich jedoch eben­falls die größte Stärke des Sam­mel­bands erken­nen, da nur so die notwendi­gen Voraus­set­zun­gen und Wün­sche aller rel­e­van­ten Per­sön­lichkeit­en sowie involviert­er Insti­tu­tio­nen repräsen­tier­bar wer­den und Leser*innen ermöglicht wird, die Ansätze weit­erzu­denken und in ihre eigene Arbeit ein­binden zu kön­nen. Die Veröf­fentlichung ver­mit­telt nicht nur ein umfan­gre­ich­es Ver­ständ­nis der Forderun­gen, indem es eine weitre­ichende Argu­men­ta­tion­slogik offen­bart, son­dern legt darüber hin­aus konkrete Ansätze für eine Umset­zung an die Hand.
Der Autor*innengruppe ist eine überzeugende Forderung der Notwendigkeit­en für eine »Erfol­gre­iche Jugend­hil­fe in Europa« gelun­gen, in dem sie inter­diszi­plinäre Per­spek­tiv­en inte­gri­ert und somit einen Wis­senstrans­fer und öffentlichen Diskurs ermöglicht. So wird dieser Sam­mel­band zu ein­er span­nen­den und infor­ma­tiv­en Lek­türe für inter­essierte Eltern, Pädagogig*innen und Entscheidungsträger*innen in deutschen und europäis­chen Insti­tu­tio­nen und Behörden.

Walde­mar Vana­gas, Erziehungswis­senschaftler, Philosoph und Geschlechter­forsch­er, Wis­senschaftlich­er Ref­er­ent und Leit­er der Geschäftsstelle des AIM Bun­de­sar­beits­ge­mein­schaft Indi­vid­u­alpäd­a­gogik e. V. mit Sitz in Köln. Arbeitss­chw­er­punk­te: Bil­dungs-, Ras­sis­mus- und Geschlechter­forschung sowie Pro­fes­sion­al­isierung außer­schulis­ch­er Akteure, ins­beson­dere Kinder­schutz und inter­sek­tionale Diskri­m­inierungs­forschung in den Hil­fen zur Erziehung.

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