Begegnung

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Zwischenstände erlebnispädagogischer Forschung am Ende der Corona-Pandemie
von Gunnar Liedtke, Barbara Bous & Martin Scholz (Hrsg.)

Reale Begegnung – digitale Begegnung – Begegnung mit der Wissenschaft: dies hatte sich die vierte wissenschaftliche Tagung in Hamburg zum Thema gesetzt. Die Dringlichkeit von Begegnungen rückte in Zeiten der Corona-Pandemie in den Fokus der Aufmerksamkeit, die Folgen des Ausbleibens in der Nach-Pandemie-Zeit spürt man bis heute. Der vorliegende Tagungsband widmet sich aus der Perspektive der Erziehungswissenschaft, der Philosophie, der sozialen Arbeit, der Sport- und Bewegungswissenschaft und der Wirtschaftswissenschaft dem Thema. Die Herangehensweise der Forscher:innen reicht von der praxis- und erfahrungsorientierten Perspektive bis zur empirischen Forschung, von der Digitalisierung über die Gesundheitsförderung, Bewegungsvermittlung, Feedbackkultur, Individualpädagogik, Inklusion bis zur philosophischen Bildung.

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Artikelnummer: 978-3-96557-141-9 Kategorien: , ,

Beschreibung

144 Seit­en, Softcover
For­mat DIN A5
19,80 €
ISBN 978-3-96557-141-9

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Klappentext

Reale Begeg­nung – dig­i­tale Begeg­nung – Begeg­nung mit der Wis­senschaft: dies hat­te sich die vierte wis­senschaftliche Tagung in Ham­burg zum The­ma geset­zt. Die Dringlichkeit von Begeg­nun­gen rück­te in Zeit­en der Coro­na-Pan­demie in den Fokus der Aufmerk­samkeit, die Fol­gen des Aus­bleibens in der Nach-Pan­demie-Zeit spürt man bis heute. Der vor­liegende Tagungs­band wid­met sich aus der Per­spek­tive der Erziehungswis­senschaft, der Philoso­phie, der sozialen Arbeit, der Sport- und Bewe­gungswis­senschaft und der Wirtschaftswis­senschaft dem The­ma. Die Herange­hensweise der Forscher:innen reicht von der prax­is- und erfahrung­sori­en­tierten Per­spek­tive bis zur empirischen Forschung, von der Dig­i­tal­isierung über die Gesund­heits­förderung, Bewe­gungsver­mit­tlung, Feed­back­kul­tur, Indi­vid­u­alpäd­a­gogik, Inklu­sion bis zur philosophis­chen Bildung.

Rezension

Rezen­siert von Prof. Dr. em. Klaus Kraimer, 08.01.202, auf socialnet.de

Thema und Entstehungshintergrund

Mit Bezug auf eine wis­senschaftliche Tagung aus dem Jahre 2022 mit der The­matik ‚Begeg­nung‘ ver­sam­melt das Buch zehn Beiträge aus Philoso­phie, Sozialer Arbeit, Sport- und Bewe­gungswis­senschaft sowie Wirtschaftswis­senschaft und Erleb­nis­päd­a­gogik bzw. deren Erforschung. Zwei Beiträge beziehen sich auf Forschung­spro­jek­te, zwei auf Möglichkeit­en der Verknüp­fung von Erleb­nis­päd­a­gogik und philosophis­ch­er Bil­dung, weit­ere Beiträge auf Lehr- und Lern­prozesse, betrieblich­es Gesund­heits­man­age­ment, die Betreu­ung trau­ma­tisiert­er Kinder- und Jugendlich­er, Optio­nen der Erleb­nis­päd­a­gogik im Rah­men ein­er Fahrrad­ex­pe­di­tion, Förderung der Kohä­sion in Schulk­lassen sowie auf Bewe­gungsver­mit­tlung in Natursportarten.

Die einzel­nen Beiträge sind jew­eils mit Por­trait­fo­tos, Kurzbi­ografie, Kon­tak­t­möglichkeit­en und Lit­er­aturverze­ich­nis ausgestattet.

Herausgeber:innen

Dr. Gun­nar Liedtke, Insti­tut für Bewe­gungswis­senschaft der Uni­ver­sität Ham­burg. Leit­er des Arbeits­bere­ichs für The­o­rie und Prax­is der Bewegungsfelder.

Dr. Bar­bara Bous, wis­senschaftliche Mitar­bei­t­erin an der Uni­ver­sität Augs­burg am Lehrstuhl für Päd­a­gogik. Hochschul­fo­rum Erlebnispädagogik/im Vor­stand Bun­desver­band Indi­vid­ual- und Erlebnispädagogik.

Dr. Mar­tin Scholz, akademis­ch­er Ober­rat am Sportzen­trum der Uni­ver­sität Augs­burg. Leit­er des Arbeits­bere­ichs Erleb­nis­päd­a­gogik und des Hochschulseilgartens.

Inhalt

Gun­nar Liedtke, Barabara Bous und Mar­tin Scholz gehen ein­lei­t­end unter dem The­ma „Begeg­nung – Zwis­chen­stände erleb­nis­päd­a­gogis­ch­er Forschung am Ende der Coro­na-Pan­demie“ (S. 5–9) auf neg­a­tive Auswirkun­gen und Beein­träch­ti­gun­gen dieser lan­gan­dauern­den und lang nach­wirk­enden Krise auf Bevölkerung und Erleb­nis­päd­a­gogik ein. Sie führen kurz in die Beiträge ein und rah­men sie unter dem The­ma Begegnung.

Sen­ta Stoiber stellt unter dem Titel „Die Stärke erleb­nis­päd­a­gogis­ch­er Inter­ven­tion in Krisen­zeit­en“ (S. 10–23) ihre Forschungsergeb­nisse vor, die aus ein­er Qual­i­fika­tion­sar­beit her­vorge­gan­gen sind. Befragt hat sie sechs Studierende der Zusatzqual­i­fika­tion Erleb­nis­päd­a­gogik, aus­gew­ertet nach qual­i­ta­tiv­er Inhalt­s­analyse. Ein­flüsse und Wirkun­gen der Erleb­nis­päd­a­gogik auf soziale Beziehun­gen wur­den mit Bezug auf Auswirkun­gen der Coro­na-Pan­demie für Jugendliche und junge Erwach­sene unter­sucht. Dabei wird die Bedeu­tung per­sön­lich­er Begeg­nun­gen und sozialer Beziehun­gen hervorgehoben.

Isabel­la Schmidt und Gun­nar Liedtke unter­sucht­en den „Ein­fluss der Covid-19-Pan­demie auf Dig­i­tal­isierung­sprozesse in der Erleb­nis­päd­a­gogik“ (S. 24–35) mit Hil­fe ein­er „ret­ro­spek­tiv­en Quer­schnitts­analyse“ im Rah­men ein­er Mas­terthe­sis auf der Basis von 62 Frage­bö­gen. Befragt wur­den Per­so­n­en, die in der Indi­vid­ual- und Erleb­nis­päd­a­gogik ver­ban­dlich organ­isiert sind, um zu erforschen, welche Verän­derun­gen sich in Hin­blick auf Dig­i­tal­isierung­sprozesse bei erleb­nis­päd­a­gogis­chen Trägern im Rah­men der Covid-19-Pan­demie ergeben haben. U. a. wird eine ver­stärk­te Dig­i­tal­isierung der Erleb­nis­päd­a­gogik diag­nos­tiziert, deren Stand und Stel­len­wert weit­er zu erforschen wäre.

Markus Tiede­mann und Ben Moll stellen sich das The­ma: „Philosophis­che Bil­dung und Erleb­nis­päd­a­gogik – Eine Win-Win-Sit­u­a­tion?“ (S. 36–51). Sie loten Möglichkeit­en und Gren­zen inter­diszi­plinär­er Zusam­me­nar­beit von Philoso­phiedi­dak­tik und Erleb­nis­päd­a­gogik aus. Ein­er all­ge­mein­di­dak­tis­chen ‚Recht­fer­ti­gung‘ mit Gegenüber­stel­lung von kon­fuzian­is­chem und augus­tinis­chem Prinzip fol­gt in groben Schrit­ten ideengeschichtlich ein Abriss über Come­nius, Pestalozzi, Dewey und Kil­patrick über Psy­cholo­giedi­dak­tik bis zur Hirn­forschung (Spitzer). Ähn­lich eine Dar­legung über philosophis­che Bil­dung mit Bezü­gen etwa auf Kant, Artendt, Haber­mas. Eine ‚Meth­o­d­en­schlange‘ (Illus­tra­tion) windet sich um phänom­e­nol­o­gis­che, hermeneutis­che, ana­lytis­che, dialek­tis­che und speku­la­tive Meth­o­d­en um zu illus­tri­eren, wie Urteil­skraft zu schulen wäre. Im Sinne ein­er Philoso­phie des Ortes und in der Verbindung schein­bar­er Gegen­sätze von Erleben und Philoso­phieren beto­nen die Autoren die Rel­e­vanz der Orig­i­naler­fahrung und der Muße. Sie wer­ben mit guten Grün­den für eine ver­stärk­te Inte­gra­tion inter­diszi­plinär­er Pro­jek­te aus Erleb­nis­päd­a­gogik und poli­tis­ch­er Bil­dung in das deutsche Bildungssystem.

Hele­na Graf fragt in ihrem Beitrag „Philosophis­che Bil­dung und Erleb­nis­päd­a­gogik“ danach, ob dies eine unkon­ven­tionelle Begeg­nung sei (S. 52–61). Sie disku­tiert Begriffe, Mod­elle und Fra­gen der philosophis­chen Bil­dung und Philoso­phiedi­dak­tik auf der einen und der Erleb­nis­päd­a­gogik auf der anderen Seite. Gle­ich­heit und Dif­ferenz in deren Begeg­nung wer­den her­aus­gear­beit­et. Ziel ist es, mit­tels ‚kri­tisch-empirisch­er‘ Unter­suchun­gen zu prüfen, ob sich ein erleb­nisori­en­tiertes, außer­schulis­ches ‚Lernset­ting‘ etwa auf Fähigkeit­en von Abstrak­tion und Urteil­skraft nach­weis­bar als förder­lich erweisen. Schon ihre umfan­gre­ichen Vorar­beit­en deuten darauf hin, dass – etwa bei Erstk­lässlern – die Wahl der philosophis­chen Inhalte ana­log zur Wahl des Ler­nortes ein­er erleb­nis­päd­a­gogis­chen Inter­ven­tion erfol­gen sollte und dass, wie ein­gangs the­ma­tisiert, unkon­ven­tionelle Wege gegan­gen wer­den müssen, also dass die Begeg­nung von Erleb­nis­päd­a­gogik und philosophis­ch­er Bil­dung die Abkehr von der Tra­di­tion ein­er Kanon-ori­en­tierten Philoso­phiedi­dak­tik voraussetze.

Nor­bert Meis­ter und Paul Ramed­er arbeit­en unter dem Titel: „Feed­back – Begeg­nung im Dia­log“ (S. 62–77) zum The­ma der Infor­ma­tion­süber­tra­gung in Lehr- Lernkon­tex­ten. Vor dem Hin­ter­grund ein­er knapp skizzierten wider­sprüch­lichen Befund­lage im Kon­text unter­schiedlich­er Feed­back­meth­o­d­en gehen sie der Frage nach, „unter welchen Bedin­gun­gen und in welch­er Form Feed­back zu ein­er dial­o­gis­chen Begeg­nung bzw. einem dial­o­gis­chen Prozess“ wer­den könne. Sie möcht­en zu Ler­nen und Entwick­lung in der Erleb­nis­päd­a­gogik beitra­gen und dies mit einem dreifachen Per­spek­tivwech­sel anstreben: (1) Ausweitung des Blick­es auf die sog. Feed­back Lit­er­a­cy, (2) die Summe aller Feed­back Ereignisse betra­cht­en, (3) den Blick auf die Innen­wahrnehmungen der Feed­back­emp­fan­gen­den Per­so­n­en und auf die gemeinein­same Reflex­ion zu richt­en. Dazu leg­en sie eine dif­feren­zierte Ausar­beitung vor. Sie diag­nos­tizieren einen Forschungs­be­darf etwa mit Blick auf Meth­o­d­en und die Erfas­sung von Innen­sicht­en, für den sie ein Mehr an quan­ti­ta­tiv­en Ver­fahren fordern, was ver­wun­dern lässt, da latent wirk­same Gründe und Fol­gen wech­sel­seit­iger Infor­ma­tion­s­gaben rekon­struk­tiv zu erschließen wären.

Lisa Sen­nefelder und Heiko Meier fra­gen danach, ob die „Förderung ein­er Ver­trauen­skul­tur als Baustein im Gesund­heits­man­age­ment“ dienen kann und stellen ein „erleb­nis­päd­a­gogisch ori­en­tiertes Konzept für Ver­wal­tung­sor­gan­i­sa­tio­nen“ vor (S. 78–91). Im Kon­text gesellschaftlichen Wan­delns und der damit ein­herge­hen­den Ein­schätzung öffentlich­er und ins­beson­dere kom­mu­naler Ver­wal­tun­gen und deren Belas­tun­gen (Fachkräfte­man­gel, Dig­i­tal­isierung und Flüchtlingswellen) sehen sie einen Weg zur Bewäl­ti­gung wach­sender Auf­gaben darin, Gesund­heits­man­age­ment zu forcieren. Dessen Rah­menbe­din­gun­gen, the­o­retis­che Über­legun­gen zur Imple­men­tierung eines Ver­wal­tungs­ge­sund­heits­man­age­ments (VGM) und konzep­tionelle Ansätze wer­den entwick­elt. Ins­ge­samt soll dies der Sen­si­bil­isierung zum Auf­bau und dazu notwendi­gen Ver­trauens dienen, das mit Hil­fe erleb­nis­päd­a­gogis­ch­er Übun­gen und Konzepte gewon­nen wer­den können.

Tan­ja Kozak the­ma­tisiert unter dem Titel „Begeg­nun­gen @highrisk“ (S. 92–101) im Kon­text der Kinder- und Jugend­hil­fe in Öster­re­ich Prob­lem­stel­lun­gen, die im deutschsprachi­gen Raum ins­ge­samt unter der (stig­ma­tisieren­den und an ein­er pro­duk­tiv­en Symp­to­matik ori­en­tieren) Begrif­flichkeit ‚Sys­tem­sprenger‘ etiket­tiert wer­den. Sie nimmt Bezug auf eine sozialther­a­peutis­che Ein­rich­tung (Studie AKS Noah, Wien 2022), die vor­rangig unter psy­chi­a­trischen Gesicht­spunk­ten bzw. stan­dar­d­isierten Kat­e­gorien ori­en­tiert scheint (ICD 10). Zusam­men­fassend zeigen die Ergeb­nisse aus dieser sozialther­a­peutis­chen Ein­rich­tung – so die Autorin – deut­liche famil­iale Belas­tungs­fak­toren, so dass von kindlich­er Trau­ma­tisierung und prob­lema­tis­chen Bindungser­fahrun­gen gesprochen wer­den könne. Im Kon­text des als Kids@highrisk beze­ich­neten Phänomens weist die Autorin zu Recht auf fehlende indi­vid­u­alpäd­a­gogis­che Maß­nah­men (ger­ade in Öster­re­ich) hin, wobei anzumerken bleibt, dass devianzpäd­a­gogis­che Ansätze und damit ver­bun­dene Pro­fes­sion­al­isierungs­be­mühun­gen offenkundig vol­lkom­men in Vergessen­heit ger­at­en sind.

Jochen Hot­stegs und Hen­ning van den Brink bericht­en über eine Fahrrad-Expe­di­tion mit Studieren­den der Sozialen Arbeit „Radeln stärkt nicht nur die Waden“ (S. 102–117).

Vorgestellt wird die didak­tis­che Konzep­tion samt insti­tu­tioneller Rah­menbe­din­gun­gen, prak­tis­ch­er Vor­bere­itung, Durch­führung der ‚Tour de Ost­falia‘, die Selb­st- und Lehreval­u­a­tion sowie Optio­nen der Weit­er­en­twick­lung. Ins­ge­samt wird ein pos­i­tives Faz­it gezo­gen, so dass von einem Trans­fer des Bewäl­ti­gung­shan­delns in den pri­vat­en und beru­flichen All­t­ag gesprochen wer­den könne. Die Autoren zeigen wis­senschaftliche und didak­tis­che Anschlussmöglichkeit­en auf, etwa in Rich­tung par­tizipa­tiv­er Aktions­forschung. Eine stärkere Außen-Ori­en­tierung und eine Konzep­tion solch­er Exkur­sio­nen „sem­i­nar-, fakultäts-, diszi­plin- oder hochschulüber­greifend“ kön­nten zusät­zliche Quellen für die Per­sön­lichkeit­sen­twick­lung junger Men­schen sein.

Daniela Englberg­er stellt einen „Zwis­chen­bericht zum Pro­jekt ‚Inklu­sion Klasse erlebt!‘ mit dem Unter­ti­tel „Förderung der Kohä­sion in Schulk­lassen durch erleb­nis­päd­a­gogis­che Maß­nah­men“ vor (S. 118–125). Ihre Dat­en aus ein­er Frage­bo­gen­er­he­bung lassen erwarten, dass erleb­nis­päd­a­gogis­che Maß­nah­men, die intendierten Ziele nach­haltig erre­ichen. Sie strebt zusät­zlich eine qual­i­ta­tive Daten­er­he­bung an.

Volk­er Nagel berichtet unter dem Titel „Erleb­n­is­fähigkeit und Bewe­gungskom­pe­tenz: Zur kri­tis­chen Funk­tion­s­an­a­lytik natur­sportlich­er Technik“(S. 126–142) anschaulich Erken­nt­nisse aus Pilot­stu­di­en und langjähriger Aus­bil­dung­sprax­is. Er zeigt gesellschaftliche, vor allem medi­ale Ein­flüsse im Wan­del von Natur­sport zu Trend­sport auf, im Wan­del von ‚in‘ and ‚out‘ – etwa am Beispiel Ski­langlauf und Nordic Walk­ing oder Wind­sur­fen und Kiten. Ent­fal­tet wer­den weit­er­führende Forschungs­fra­gen, die durch einen inter­diszi­plinären Ver­bund aus Bewe­gungs- und Sportwissenschaft, Erleb­nis­päd­a­gogik und Freizeit­sozi­olo­gie zu bear­beit­en wären.

Diskussion

Für die Prax­is der Erleb­nis­päd­a­gogik ergeben sich aus den einzel­nen Beiträ­gen wertvolle Deu­tungsange­bote und Hand­lung­sori­en­tierun­gen, etwa um die in gemein­sam erlebten Sit­u­a­tio­nen Erfahrun­gen begrif­flich zu fassen und je indi­vidu­ell im Sinne ein­er ‚Auf­forderung zur Selb­st­tätigkeit‘ anzueignen. Eine damit ver­bun­dene ‚Rück­gewin­nung des Päd­a­gogis­chen‘ kön­nte frucht­bare Momente im Bil­dung­sprozess (Copei) gegenüber pur­er Lern- oder Prof­i­to­ri­en­tierung bewahren – im didak­tis­chen Dreis­chritt aus Vor­bere­itung, Durch­führung und Auswer­tung. Dies ste­ht der Ent­mündi­gung durch ein Regime des bloßen Kon­sum­ierens von Erleb­nis­sen ent­ge­gen. Forschungsmethod­isch zeigen sich die Beiträge an quan­ti­ta­tiv bzw. sub­sum­tion­slo­gis­chen Mod­ellen ori­en­tiert, wün­schenswert wäre es, inhalt­s­an­a­lytis­che und deskrip­tive Ansätze zu über­winden, um rekon­struk­tion­slo­gisch Sinnstruk­turen zu erschließen, die der Erleb­nis­päd­a­gogik zugrunde liegen und deren Trans­for­ma­tion ermöglichen.

Men­schliche Begeg­nun­gen – im Modus der Krise des ‚Social Dis­tanc­ing‘ oder in der Rou­tine päd­a­gogisch inspiri­ert­er Erleb­nisse – dies sind die The­men, die die engagierten Beiträge des vorgestell­ten Tagungs­ban­des beschäftigen.

Das Buch ver­mit­telt und reflek­tiert Ein­blicke in Forschungsar­beit­en und Hand­lungs­felder im Kon­text von Erleb­nis­päd­a­gogik und kann – wie in den ein­lei­t­en­den Aus­führun­gen von Gun­nar Liedtke, Bar­bara Bous und Mar­tin Scholz angekündigt – Inspi­ra­tio­nen schaf­fen und, wie auch hier gezeigt, Diskus­sio­nen aus­lösen. Auf diese Weise und mit Bezug auf die in dem Sam­mel­band dargestell­ten Befunde kön­nen erleb­nis­päd­a­gogis­che Tätigkeit­en kon­struk­tiv weit­er­en­twick­elt wer­den, wenn es gelingt, diese im päd­a­gogis­chen Sinne – als Bil­dung und Erziehungim Vol­lzug von Prak­tiken zu ver­ste­hen, die der Erlan­gung von Selb­st­tätigkeit und Selb­st­ständigkeit dienen. Das Mögliche durch Begeg­nung und Erleben wirk­sam wer­den lassen – dies sollte das große The­ma der Erleb­nis­päd­a­gogik bleiben, die in diesem Sam­mel­band zahlre­iche Optio­nen erfahren hat, die lesenswert und für die Förderung der Begeg­nung in den ver­schiede­nen Diszi­plinen und Pro­fes­sio­nen hil­fre­ich sind.

Fazit

Der Band rückt die zen­trale Bedeu­tung von Begeg­nun­gen in das Zen­trum der Aufmerk­samkeit und inspiri­ert auf diese Weise eine inter­diszi­plinär aus­gerichtete erleb­nis­päd­a­gogis­che Forschung eben­so wie die Prax­is sozialer Pro­fes­sio­nen, die – nicht nur in Zeit­en von Krisen wie der Coro­na-Pan­demie – darauf gerichtet sein muss, über Mit­men­schlichkeit Leben­squal­ität zu fördern und dies in Rou­ti­nen der autonomen Lebens­be­wäl­ti­gung zu überführen.

Rezen­sion von
Prof. Dr. em. Klaus Kraimer
Hochschule für Tech­nik und Wirtschaft des Saar­lan­des. Uni­ver­si­ty of Applied Sciences
Pro­fes­sor für The­o­rie, Prax­is und Empirie Sozialer Arbeit an der Fakultät für Sozialwissenschaften

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