Umbruch und Aufbruch

16,99 19,80 

Erfahrungen, Erkenntnisse und Wege der Erlebnispädagogik in Zeiten des Wandels
von Barbara Bous & Alex Ferstl (Hrsg.)

Ob Klimakrise, gesellschaftliche Umbrüche oder persönliche Herausforderungen – Wandel prägt unser Leben. Dieses Buch zeigt, wie Erlebnispädagogik Menschen in Zeiten der Veränderung stärken kann. Mit praxisnahen Beiträgen aus der Profession bietet es wertvolle Impulse für Pädagog:innen, Trainer:innen und alle, die Entwicklungsprozesse begleiten. Ein Buch für alle, die Bildung als Erlebnis und Verantwortung verstehen.

 

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Artikelnummer: 978-3-96557-149-5 Kategorien: ,

Beschreibung

112 Seit­en
zahlre­iche Abbildungen
19,80 Euro
ISBN: 978-3-96557-148-8 (Soft­cov­er)

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Klappentext

Seit jeher ist die Men­schheit von Umbrüchen und Auf­brüchen geprägt. Ob durch den Wan­del der Jahreszeit­en, die Suche nach Nahrung oder tief­greifende gesellschaftliche Verän­derun­gen – der Men­sch ste­ht immer wieder an der Schwelle des Neuen. Diese Übergänge for­men unsere Biografie, unsere Per­sön­lichkeit und unsere Fähigkeit, uns anzupassen.

In der heuti­gen Zeit sind diese Kom­pe­ten­zen wichtiger denn je. Kriege, Krisen, lebensverän­dernde Umstände, die Pan­demie und ihre Fol­gen – all das bee­in­flusst unser psy­chis­ches Wohlbefind­en, unseren Umgang mit Stress, unsere sozialen Beziehun­gen sowie gesellschaftliche und glob­ale Entwick­lun­gen. Die Her­aus­forderun­gen reichen von poli­tis­ch­er Sta­bil­ität über Kli­mawan­del bis hin zur Verteilung knap­per Ressourcen.

Hier set­zt die Erleb­nis­päd­a­gogik an: Erfahrun­gen und Erleb­nisse sind ihre zen­tralen Werkzeuge, um Per­sön­lichkeit­sen­twick­lung zu fördern, Gemein­schaft zu stärken und Verän­derung­sprozesse zu begleit­en. Dieses Buch macht die wertvolle Exper­tise erfahren­er Erleb­nis­päd­a­gogin­nen und -päd­a­gogen sicht­bar, regt den Aus­tausch an und beleuchtet, wie wir unsere Meth­o­d­en weit­er­en­twick­eln kön­nen, um Men­schen best­möglich auf ihrem Weg durch den Wan­del zu unterstützen.

Rezensionen

Rezen­siert von Prof. Dr. rer. soc. Ger­mo Zim­mer­mann, 06.02.2026, auf socialnet.de

Thema

Gesellschaftliche Umbrüche, Krisen­er­fahrun­gen und Trans­for­ma­tion­sprozesse prä­gen gegen­wär­tig zen­trale Lebens­bere­iche und stellen auch päd­a­gogis­che Hand­lungs­felder vor neue Her­aus­forderun­gen. Fra­gen nach ökol­o­gis­ch­er Nach­haltigkeit, sozialer Ver­ant­wor­tung, verän­derten insti­tu­tionellen Rah­menbe­din­gun­gen sowie nach der Wirk­samkeit päd­a­gogis­chen Han­delns gewin­nen vor diesem Hin­ter­grund zunehmend an Bedeu­tung. Der Sam­mel­band „Umbruch und Auf­bruch“ greift diese Entwick­lun­gen auf und fragt danach, wie sich Erleb­nis­päd­a­gogik unter Bedin­gun­gen tief­greifend­en Wan­dels fach­lich posi­tion­iert, weit­er­en­twick­elt und legit­imiert. Das Leit­mo­tiv „Umbruch und Auf­bruch“ fungiert dabei als ana­lytis­che Klam­mer für Beiträge, die Wand­lung­sprozesse auf unter­schiedlichen Ebe­nen adressieren: auf der Makroebene gesellschaftlich­er Trans­for­ma­tion, auf der Mesoebene organ­i­sa­tionaler und insti­tu­tioneller Rah­menbe­din­gun­gen sowie auf der Mikroebene indi­vidu­eller Erfahrungs-, Lern- und Wirkprozesse. Der Band ver­ste­ht sich aus­drück­lich nicht als pro­gram­ma­tis­ches Man­i­fest, son­dern als diskur­sive Bestand­sauf­nahme aktueller The­men und Fragestel­lun­gen der Erlebnispädagogik.

Autor:in oder Herausgeber:in

Die Her­aus­gabe des Ban­des liegt bei Bar­bara Bous und Alex Fer­stl, die seit vie­len Jahren zen­trale Diskurse der Erleb­nis­päd­a­gogik im deutschsprachi­gen Raum mit­prä­gen. Bar­bara Bous ist Erziehungswis­senschaft­lerin an der Uni­ver­sität Augs­burg mit aus­gewiese­nen Schw­er­punk­ten in der Erleb­nis­päd­a­gogik und im erfahrung­sori­en­tierten Ler­nen. Alex Fer­stl ist Geschäfts­führer des Zen­trums für inter­diszi­plinäres erfahrung­sori­en­tiertes Ler­nen (ZIEL), Ver­lagsleit­er des ZIEL-Ver­lags und Kon­gress­man­ag­er des inter­na­tionalen Kon­gress­es erleben und lernen.

Entstehungshintergrund

Der Sam­mel­band doku­men­tiert aus­gewählte Beiträge des 14. Inter­na­tionalen Kon­gress­es „erleben und ler­nen“, der 2023 in Augs­burg stat­tfand. Der Kongress hat sich über viele Jahre als zen­trales Forum der Erleb­nis­päd­a­gogik etabliert, in dem wis­senschaftliche Vorträge, prax­isori­en­tierte Work­shops und diskur­sive For­mate sys­tem­a­tisch miteinan­der ver­schränkt wer­den. Charak­ter­is­tisch ist zudem die kon­tinuier­liche Pub­lika­tion beglei­t­en­der Tagungs­bände im ZIEL-Ver­lag: In diese Rei­he fügt sich „Umbruch und Auf­bruch“ ein und knüpft an frühere Kon­gress­bände wie „Erfol­gre­iche Erleb­nis­päd­a­gogik gestal­ten!“ (Schettgen, Fen­gelr & Fer­stl 2016), „Ein­mis­chen pos­si­ble!“ (Schettgen, Bous & Fer­stl 2018) und „Ein­mis­chen nec­es­sary!“ (Settgen, Bous & Fer­stl 2021) an.

Aufbau

Der Tagungs­band ist in drei Teile gegliedert:

(1) the­o­retis­che und gesellschaftliche Per­spek­tiv­en auf den Wandel,

(2) Method­is­che Weit­er­en­twick­lun­gen und neue Ansätze sowie

(3) Reflex­io­nen über Verän­derung und Zukunftsperspektiven

Diese Struk­tur ori­en­tiert sich an den inhaltlichen Schw­er­punk­ten des Kon­gress­es und ermöglicht eine nachvol­lziehbare Ord­nung der het­ero­ge­nen Beiträge, ohne deren Vielfalt zu nivellieren.

Inhalt

Den the­o­retis­chen Ori­en­tierungsrah­men eröffnet Bar­bara Bous mit einem grundle­gen­den Beitrag, der Umbruch- und Über­gang­sprozesse aus bil­dungs- und erziehungswis­senschaftlich­er Per­spek­tive analysiert. Anknüpfend an die Tran­si­tions­forschung und gesellschaftliche Krisendi­ag­nosen beschreibt sie Erleb­nis­päd­a­gogik als Erfahrungsraum, in dem Unsicher­heit, Wan­del und Neuori­en­tierung päd­a­gogisch ger­ahmt und reflex­iv bear­beit­et wer­den kön­nen. Der Beitrag schafft damit eine konzep­tionelle Grund­lage für die nach­fol­gen­den Texte.

Einen fach­lich klären­den Beitrag leis­ten Jens Dreger und Flo­ri­an Galusch­ka mit ihrer Auseinan­der­set­zung mit Umbrüchen und Auf­brüchen in der Indi­vid­u­alpäd­a­gogik. Aus­ge­hend von ein­er neu erar­beit­eten Def­i­n­i­tion dieses Ansatzes arbeit­en sie zen­trale Struk­turmerk­male wie Präsenz, Beziehungsin­ten­sität und das 1:1-Setting her­aus und disku­tieren zugle­ich Schnittstellen und Abgren­zun­gen zur Erleb­nis­päd­a­gogik. Der Beitrag leis­tet damit sowohl eine Sys­tem­a­tisierung als auch eine pro­fes­sions­be­zo­gene Einordnung.

Mit dem The­ma Wirkung und Nach­haltigkeit greift Gun­nar Liedtke einen zen­tralen, in der Fach­prax­is häu­fig disku­tierten Punkt auf. Auf Basis empirisch­er Stu­di­en und Forschungsüber­sicht­en dif­feren­ziert er ver­bre­it­ete Wirkungsan­nah­men und zeigt real­is­tis­che Möglichkeit­en nach­haltiger Effek­te erleb­nis­päd­a­gogis­ch­er Maß­nah­men auf. Der Beitrag zeich­net sich durch seine the­o­retis­che Klarheit und seine kri­tis­che Reflex­ion verkürzter Erfol­gsnar­ra­tive aus.

Der method­is­che Teil des Ban­des präsen­tiert aus­gewählte Weit­er­en­twick­lun­gen erleb­nis­päd­a­gogis­ch­er Prax­is. Beson­ders her­vorzuheben ist der Beitrag zur Sen­si­blen Trau­ma- und Erleb­nis­päd­a­gogik (STEP), der von Autor:innen aus der inten­sivpäd­a­gogis­chen Jugend­hil­fe vorgelegt wird. [1] Der Text beschreibt die Verbindung traumapäd­a­gogis­ch­er Prinzip­i­en mit erleb­nis­päd­a­gogis­chen Set­tings und verdeut­licht, dass diese Verbindung nicht nur method­is­che Anpas­sun­gen, son­dern auch eine verän­derte pro­fes­sionelle Hal­tung erfordert.

Weit­ere Beiträge wid­men sich aktuellen method­is­chen Diskursen, etwa den soge­nan­nten „Micro Adven­tures“ (Irmelin Küthe) als niedrigschwellige, nach­haltige Erleb­n­is­for­mate, der klas­sis­chen Ori­en­tierung mit Karte und Kom­pass (Hen­rike Hirschmüller) oder der Weit­er­en­twick­lung koop­er­a­tiv­er Auf­gaben (Roland Abstre­it­er, Alex Sieben­horn, Rafaela und Rein­hard Zwerg­er). Gemein­sam ist diesen Tex­ten der Ver­such, bewährte Meth­o­d­en vor dem Hin­ter­grund gesellschaftlich­er, ökol­o­gis­ch­er und päd­a­gogis­ch­er Verän­derun­gen kri­tisch weiterzudenken.

Den abschließen­den reflex­iv­en Akzent set­zt Elmo Mesic mit einem Beitrag zum „Loslassen“ als zen­traler Dimen­sion per­sön­lich­er Entwick­lung­sprozesse. Anknüpfend an den Mon­o­mythos der Helden­reise inter­pretiert er Umbruch- und Auf­bruchssi­t­u­a­tio­nen als exis­ten­zielle Übergänge und verortet erleb­nis­päd­a­gogis­che Set­tings als Räume, in denen solche Erfahrun­gen bewusst gestal­tet und reflek­tiert wer­den können.

Den Band schließen Bar­bara Bous und Alex Fer­stl mit einem gemein­sam ver­fassten Beitrag ab, der zen­trale Diskurslin­ien des Sam­mel­ban­des auf­greift und in eine über­greifende Per­spek­tive einord­net: Sie markieren Erleb­nis­päd­a­gogik als ein Feld, das sich angesichts gesellschaftlich­er Trans­for­ma­tio­nen zwis­chen Pro­fes­sion­al­isierung, Wirkungsansprüchen und nor­ma­tiv­en Erwartun­gen neu posi­tion­ieren muss. Der Beitrag fungiert weniger als Syn­these denn als reflek­tieren­der Aus­blick, der offene Fra­gen bün­delt und Erleb­nis­päd­a­gogik bewusst als ler­nen­des und diskur­sof­fenes Prax­is- und Forschungs­feld beschreibt.

Diskussion

Der Sam­mel­band bietet eine sorgfältig kuratierte Zusam­men­stel­lung zen­traler Beiträge des Kon­gress­es „erleben und ler­nen“ 2023 und ermöglicht damit einen fundierten Ein­blick in aktuelle Diskurse der Erleb­nis­päd­a­gogik. Die Verbindung von the­o­retis­ch­er Rah­mung, method­is­ch­er Weit­er­en­twick­lung und reflex­iv­er Einord­nung stellt eine klare Stärke des Ban­des dar. Zugle­ich zeigt sich eine für Tagungs­bände typ­is­che Ambivalenz: Die the­ma­tis­che Bre­ite und bewusste Het­ero­gen­ität eröff­nen vielfältige Zugänge, erschw­eren jedoch stel­len­weise eine ein­deutige Zuord­nung zu spez­i­fis­chen Hand­lungs­feldern oder Ziel­grup­pen. Die Stärke, Studierende, Praktiker:innen und Wissenschaftler:innen gle­icher­maßen anzus­prechen, geht mit ein­er gewis­sen Bin­nendiskur­siv­ität ein­her, die den Trans­fer in einzelne Prax­is- oder Pro­fes­sion­skon­texte unter­schiedlich stark ausprägt.

Fazit

Der Sam­mel­band „Umbruch und Auf­bruch“ bietet als gut struk­turi­ert­er Tagungs­band eine dif­feren­zierte und inhaltlich fundierte Bestand­sauf­nahme zen­traler aktueller Diskurse der Erleb­nis­päd­a­gogik und eignet sich beson­ders als inspiri­erende Ori­en­tierungs- und Ein­stiegslit­er­atur für alle, die sich mit gegen­wär­ti­gen the­o­retis­chen, method­is­chen und gesellschaftlichen Her­aus­forderun­gen des Feldes auseinan­der­set­zen möcht­en und selb­st nicht beim 14. Inter­na­tionalen Kongress „erleben und ler­nen“ dabei sein konnten.

Literatur

Klaus­fer­ing, Ralf; Klein, Joachim; Thaleikis-Carstensen, Ute; van Mil, Hein­er (Hrsg.) (2025): Sen­si­ble Trau­ma- und Erleb­nis­päd­a­gogik. Wein­heim: Beltz Juventa.

Schettgen, Peter; Fen­gler, Janne; Fer­stl, Alex (Hrsg.) (2016): Erfol­gre­iche Erleb­nis­päd­a­gogik gestal­ten. Nach­spüren – Quer­denken – Mit­machen. Augs­burg: ZIEL-Verlag.

Schettgen, Peter; Fer­stl, Alex; Bous, Bar­bara (Hrsg.) (2018): Ein­mis­chen pos­si­ble! Die gesellschaft­spoli­tis­che Dimen­sion der Erleb­nis­päd­a­gogik. Augs­burg: ZIEL-Verlag.

Schettgen, Peter; Fer­stl, Alex; Bous, Bar­bara (Hrsg.) (2021): Ein­mis­chen nec­es­sary! Gesellschaftliche Ver­ant­wor­tung und poli­tis­che Beteili­gung in der Erleb­nis­päd­a­gogik. Augs­burg: ZIEL-Verlag.


[1] Zwis­chen­zeitlich liegt ein eigen­er Band zu diesem inte­gra­tiv­en Konzept der Jugend­hil­fe Dül­men vor, siehe Klaus­fer­ing et al. 2025.

Rezen­sion von
Prof. Dr. rer. soc. Ger­mo Zimmermann
MHEd., Dipl.-Sozial- und Reli­gion­späd­a­goge, Pro­fes­sor für Soziale Arbeit mit dem Schw­er­punkt Jugen­dar­beit an der CVJM-Hochschule, Wis­senschaftlich­er Leit­er des Insti­tuts für Erlebnispädagogik.

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